Franz Andreas Weger (1767 – 1834) König Friedrich August I. von Sachsen (1750 -1827), Eisenkunstguss, H. 34,5 cm, davon Sockel 10 cm aus 5 Teilen, Oberfläche ziseliert und schwarz gebrannt, Lauchhammer um 1818 (?). Äußerst fein gegossene Büste, sorgfältig nachgearbeitet, der schwarz gebrannte Firnis ist perfekt erhalten.

Die Büste zeigt den im Alter von etwa 67 Jahren immer noch stattlichen Sachsen-König in Uniform. Mit aufrechtem Blick, den Kopf  leicht nach rechts gedreht, charakterisiert der Eisenguss Friedrich August I. trotz seiner 1815 erlittenen territorialen Verluste als selbstbewussten Herrscher. Auf der linken Brustseite trägt er den von ihm selbst 1807 gestifteten Hausorden der Rautenkrone mit dem Wahlspruch des sächsischen Königshauses „PROVIDENCIAE MEMOR“ (der Vorsehung eingedenk).

Der Eisenguss folgt in allen Einzelheiten einer Biskuitbüste des Bildhauers Franz Andreas Weger, die dieser im Nov/Dez. 1817 für die Meißner Porzellanmanufaktur nach einem Königsporträt des Dresdner Malers Vogel von Vogelstein (1788 – 1868) modellierte. Im August 1818 wurde die Biskuitbüste auf der Dresdner Akademie-Ausstellung unter der Nummer N51/Q dem Publikum vorgestellt. Kurze Zeit später, am 20. September 1818, feierte der Wettiner sein 50-jähriges Thronjubiläum, was den Schluss nahe legt, dass die Biskuitbüste und das außergewöhnlich sorgfältig gearbeitete Porträt in Eisenkunstguss als Belege für die künstlerische und handwerkliche Qualität heimischer Erzeugnisse und gleichzeitig als Präsente zum Jubiläum des Königs gedacht waren.

Gegossen wurde die Büste sicherlich im nördlich von Dresden  gelegenen, 1804 vom  Grafen Detlev von Einsiedel übernommenen, Eisenwerk Lauchhammer. Die Gießerei war technisch und künstlerisch auf der Höhe der Zeit. Bereits ab 1780 entstanden in dieser Hütte vollplastische Büsten, Skulpturen und Bildwerke. Büsten des sächsischen Königs aus Lauchhammer sind für die Jahre 1806 und 1828 nachgewiesen. So dass man davon ausgehen muss, dass auch unsere Büste in dieser renomierten Eisengießerei entstand.

Von der  Biskuitbüste des Königs, mit 22,2 cm etwas  kleiner als der Eisenguss, sind mehrere Exemplare bekannt. Eines befindet sich in der Staatlichen Porzellansammlung Dresden. Von der Eisenbüste lassen sich keine weiteren Ausführungen belegen.

Prov. Aus einer süddt. Privatsammlung

Lit. z. Vgl.: Ausst.Kat. Dresden 1988, Vogel von Vogelstein, S. 36,  Nr.7, S. 85, Nr. 135. - Ausst.Kat. Dresden 1992, Die Napoleonische Schenkung, S. 9. - Ausst.Kat. Weesenstein 2001, König Johann von Sachsen, S. 249, Kat. 305. - Ausst.Kat. Chemnitz 2004,  Eisenbildkunst in Lauchhammer um 1800, Nr. 17 u. 19. - Studien zum künsterischen Eisenguss, Marburg 1970, S. 245 ff.  – Prause, Marianne, Die Kataloge der Dresdner Akademie-Ausstellungen 1801-1850, Berlin 1975, 1818, NQ. - Trautscholdt, Johann Friedrich, Geschichte und Feyer des ersten Jahrhunderts des Eisenwerks Lauchhammer 1825, Nachdruck 1996, S. 55.

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Klaus Spindler Kunsthandel