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Koerner_oR_H750

Porträt des Dichters  Theodor Körner (1791 Dresden – 1813 bei Gadebusch).  Öl auf Leinwand,  55 x 42 cm. Verkleinerte Version des Originals von Emma Körner (1788 - 1815), der Schwester Körners, aus dem Jahre 1814. Nicht signiert, gerahmt.

Das Kniestück zeigt den Dichter und Freiheitskämpfer in der schwarzen Uniform des Lützowschen Freikorps, dem er 1813 beigetreten war. Auf einer Anhöhe des rechtselbischen Spaargebirges stehend, an eine Eiche gelehnt, die Hand am Säbelgriff, gibt der Porträtierte den Blick auf  das linkselbische Schloss Siebeneichen bei Meißen frei. Zusammen mit dem benachbarten Schloss Scharfenberg waren diese Schlösser der Familie von Miltitz um 1800 bedeutende Treffpunkte der  Dresdener Romantiker. Hier verkehrten, neben der Familie Körner, u.a. auch Novalis, E.T.A. Hoffmann, Heinrich von Kleist und der Philosoph Johann Gottlieb Fichte. Dietrich von Miltitz (1769 – 1853) war der Organisator des gegen Napoleon aufgestellten Banners der freiwilligen Sachsen.

Nachdenklich und  melancholisch wendet der sich in seinen Liedern und Gedichten so kampfeslustig gebende Dichter („heraus mein Schwerdt, magst auch dein Liedchen singen“) dem Betrachter zu. Man spürt den Schmerz der porträtierenden Künstlerin über den frühen Tod des geliebten Bruders der am 26. August 1813 im Forst von Rosenow bei Gadebusch, bei einem Gefecht gegen die Franzosen in der „zweiten Morgenstunde“ von einer feindlichen Kugel tödlich getroffen. Er wurde 22 Jahre alt.

Körners berühmter Gedichtzyklus „Leyer und „Schwert, wurde 1814 posthum vom Vater Christian Gottfried Körner veröffentlicht. Im gleichen Jahr, auf der Oktober- Ausstellung der Berliner Akademie, zeigte die Schwester Emma ihr Porträt des Dichters.

Es existieren drei Ausführungen des Gemäldes im Format ca. 110 x 83. Das Original von der Hand Emma Körners, dokumentiert durch die Berliner Akademie-Ausstellung von 1814, befindet sich heute im Stadtmuseum Leipzig. Es ging als Dank des Vaters des Dichters an den Arzt Dr. Wendler in Leipzig, der es 1891 dem dortigen Stadtmuseum überließ. Er hatte Theodor Körner nach einer schweren Kopfverletzung behandelt und ihm dadurch das Leben gerettet.

Eine unsignierte Version wurde 1914 von der Berliner Nationalgalerie erworben (Auktion Gebr. Heilbron). Das ebenfalls unsignierte und schlechteste Exemplar, angeblich aus dem ehemaligen Körnermuseum in Dresden, bewahrt heute das Kügelgen-Museum  Dresden.

1844 zeigte der Maler Theodor Wagner (1800 – 1880) auf der Berliner Akademie-Ausstellung eine Kopie (Maße unbek.) mit dem Vermerk „Eigentum seiner Majestät des Königs“ (später Hohenzollern-Museum Berlin). Das Gemälde ist seit Ende des 2. Weltkriegs verschollen.

Unsere bisher unbekannte Version ist halb so groß wie die oben erwähnten Ausführungen. Das handlichere Format könnte ein Verweis auf eine Herkunft aus Familienbesitz sein. Dass das Gemälde innerhalb einer Familie weiter vererbt wurde belegt der Aufkleber auf der Rückseite: „dem lieben Lothar zu seinem 24. Geburtstag von seiner Großmutter“. 

Literatur:Auktionskat. Gebr. Heilbron, Berlin 16.03.1914, Sammlung von Theodor Körner Andenken, Los Nr. 24.I Ausst.Katalog „Patriotische Kunst aus der Zeit der Volkserhebung“, Berlin 1953, Kat.Nr. 25 I Ausst.Katalog „Zwischen Ideal und Wirklichkeit“ Gotha 1999, S. 113 I Ausst.Katalog „Die großen Deutschen im Bild“, Darmstadt 1937, S. 238 I Börsch-Supan, Kataloge der Berliner Akademie-Ausstellungen, Berlin 1971, 1814, Nr. 393 u. 1844  Nr. 1117 I Dehio Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen I, Scharfenberg-Siebeneichen, S. 776 I Zerstört-Entführt-Verschollen. Die Verluste der preuß. Schlösser im Zweiten Weltkrieg. Gemälde. GKI 2923

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Klaus Spindler Kunsthandel